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Wanderritt durch faszinierende Albtäler

Spannende Landschaften, wanderlustige Reittiere, nette Mitreiter und eine souveräne Rittführung – dies hat den 8-tägigen Wanderritt entlang einiger seit Urzeiten von Menschen bewohnten Trockentäler zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht. Eine Reise über die Schwäbische Alb, durch die Menschheitsgeschichte, zu den geologischen Besonderheiten entstanden in Jahrmillionen. Ein Ritt von der Mittleren Alb durch den Albuch über die Lonetal-Flächenalb und zurück.

Tag 1: Mehrstetten – Laichingen
Samstag morgen treffen wir uns bei Mehrstetten, um zu dem langen Ritt Richtung Osten aufzubrechen. Zwei Maultiere und zwei Pferde sollen uns begleiten. Nach den üblichen Vorbereitungen wie Putzen, Satteln, Picknick-Packen brechen wir auf. Die Landschaften sind uns von kürzeren Ritten noch bekannt: das gewundene Böttental hinab, das grüne Buchtal hinauf – nun sind wir schon im Alb-Donau-Kreis.
An der Südostecke des ehemaligen Truppenübungsplatzes vorbei und bald haben wir unseren Picknickplatz am Waldrand erreicht. Genau rechtzeitig als uns ein Gewitterschauer erreicht. Dieser ist zum Glück bald vorbei und der Ritt geht weiter ein Stück den flacheren, oberen Teil des Tiefentals an Heroldstatt vorbei nach Norden und schließlich an Feldern entlang bis Laichingen. Gleich bei Ankunft im Nachtquartier betreiben die Tiere erst einmal Rasenpflege, begrüßen die neugierigen Kühe und werfen sich auf der Koppel zum Wälzen auf den Boden. Nach einem leckeren Abendessen in einer Pizzeria („gutbürgerlich haben wir die nächsten Tage ja noch genug“) schlafen wir auf Sofa und Feldbetten ein.

Tag 2: Laichingen – Amstetten-Dorf
Ein wunderbares Sonntagsfrühstück erwartet uns morgens. Anschließend holen wir unsere Pferde und Mulis von der Koppel, die übliche Prozedur: Putzen, Gepäcktransport, Satteln. Heute reiten unsere Gastgeber noch ein Stück mit uns Richtung Autobahn A8. Da die eigentlich geplante Unterführung aufgrund der Großbaustelle derzeit gesperrt ist, wird kurz umgeplant und wir nehmen eine andere Querungsmöglichkeit. Besonders beeidruckend sind die berghohen Schotterhaufen längs der Autobahn. Bald geht wieder ein mittäglicher Gewitterschauer nieder, gefolgt von Sonnenschein. Eine schmale Waldhütte bietet uns Schutz beim Picknick.
Aus dem Wald heraus reiten wir über weite Felder bis zum Albtrauf zwischen Aufhausen und Türkheim. Dort bietet sich uns ein Blick hinüber zur Hausener Wand oberhalb von Überkingen. Hinter Türkheim führen wir die Tiere hinab ins Vögelestal. Wieder muss die Strecke leicht angepasst werden, da auf einigen Wegen dort Reiten nicht erlaubt ist. Kurz queren wir das Obere Lontal und blicken nach einem Aufstieg durch den Wald von oben auf unser zweites Etappenziel Amstetten-Dorf. Hier werden wir im Pferdehof Gasthaus Adler auf dem Heuboden direkt über den Pferden einquartiert. Die vorgeschlagene gutbürgerliche Gaststätte hat geschlossen, so dass wir uns eine Alternative suchen: wie sich herausstellt ein Kleinod italienisch-authentischer Küche und Lebensart, das sich in einem hässlichen 70er-Jahre Neubau in Amstetten-Bahnhof versteckt. So sind wir für den nächsten Tag gut gestärkt.

Tag 3: Amstetten-Dorf – Heldenfingen
Die Nacht war ruhig, die Reittiere alle brav. Die Wartezeit während des Gepäcktransports nutzen sie zum Dösen, wir hingegen machen ein wenig Gymnastik. Kann zumindest nicht schaden. Nachdem es losgegangen ist, müssen wir erst einmal die B10 überqueren, gleichzeitig auch die Bahngleise, auf denen ein Zug naht. Aber alles geht gut und wir genießen den Vormittag auf halb zugewucherten Waldwegen, schnurgeraden Waldwegen, Feldwegen vorbei an Äckern oder Streuobstwiesen und schließlich sogar auf einem ebenfalls leicht überwucherten Teil eines Jakobswegs. Im Hirschental müssen wir aufgrund eines Schafweidezauns einen kleinen Umweg den Berg hinauf reiten. Während es die ganze Zeit schon donnert und grummelt, picknicken wir am Waldrand.
Erst als wir weitergehen, holt uns das Gewitter doch noch ein: Regenklamotten angezogen und im Wald den heftigsten Regenguss abgewartet. Nach einer Weile führen wir die Tiere weiter auf einem schönen Wiesen-Waldrandweg. Schließlich kommt die Sonne heraus, die Luft ist gleich wieder voller Dampf. Das Hirschental mit seinen wunderbar weichen Wiesenwegen geht ins Hungerbrunnental über, wo Schotterwege vorherrschen. Ausgerechnet unsere geplante Route vom Tal hinauf in den Ort ist wegen Forstarbeiten gesperrt. So kommen wir schließlich doch noch am Hungerbrunnen – einer unzuverlässigen, im Sommer fast immer trockenen Karstquelle – vorbei. Nun geht es bergauf nach Heldenfingen, wo sich unsere Reittiere nach dem Warten und Absatteln auf der Koppel über die unzähligen Äpfel hermachen. Nach dem Abendessen im Ochsen spazieren wir noch bei Vollmond zum Heldenfinger Kliff.

Tag 4: Heldenfingen – Bissingen ob Lontal
Die vierte Etappe führt uns nochmals zum Heldenfinger Kliff, einem etwa 5 Meter hohen Fels mit zahlreichen Bohrmuschellöchern im Kalk. Das geologische Phänomen gilt als Teil der Küstenlinie des Molassemeeres (Binnenmeer zwischen Alpen und Alb bis vor etwa 17 Millionen Jahren). Nachdem wir großräumige Forstarbeiten hinter uns gelassen haben, traben wir eine sehr lange, schnurgerade Strecke durch den Wald. Schließlich erreichen wir die Brenzschleife bei Herbrechtingen. Unten im Tal geht es am Fischerfelsen und am Falkenstein vorbei, dann oben auf dem Buigen durch den Bannwald mit seinen vielen knorrigen Bäumen und den Hinweisen auf einstige keltische Besiedlung.
Nach dem Picknick müssen wir kurz an der Straße entlang und dann rechts ins Eselsburger Tal. Ein älterer Herr schaltet extra für uns seinen Rasenmäher aus mit den Worten: „Das muss ich doch genießen!“ Vorbei an beeindruckenden, felsigen Wacholderheiden und an den sogenannten Steinernen Jungfrauen geht es hinter dem winzigen Ort Eselsburg wieder bergauf, links die Spitzbubenhöhle. Nach Unterquerung der Autobahn A7 besuchen wir die Ruine Kaltenburg, steigen hinab ins Lonetal, passieren den Archäopark Vogelherd, wo eines der ältesten figürlichen Kunstwerke – das Wildpferchen – gefunden wurde und erreichen schließlich – nachdem unsere Mulidame Afra von einem Vorbeireiter mit den Worten „Das ist aber ein schöner Esel.“ bedacht wurde – unser wunderbares Nachtquartier in Bissingen ob Lontal.

Tag 5: Bissingen ob Lontal – Sinabronn (Lonsee)
Die heutige Etappe verläuft westwärts Richtung Heimat hauptsächlich im Lonetal. Es gilt als eines der längsten Trockentäler Deutschlands, wenngleich die Lone an manchen Stellen noch als kleiner Bach zu erkennen ist. Vom Quartier-Vermieter haben wir erfahren, dass manche ausgetrockneten Bereiche auch dem Biber zu verdanken sind. Von oben kommend erblicken wir zwei kleine Felsöffnungen: den Hohlenstein und die Bärenhöhle. Im Hohlenstein-Stadel wurden 1939 Bruchstücke aus Mammutelfenbein gefunden. Diese wurden jedoch erst 30 Jahre später zu einer kleinen Figur zusammengesetzt, die heute als Löwenmensch bekannt ist. Durch das etwas breiter werdende Tal reiten wir an der von unten nicht sichtbaren Bocksteinhöhle vorbei. Ein paar Flussschleifen weiter führt ein Tunnel unter der Landstraße hindurch, etwas später unterqueren wir die Autobahn A7. Hier verliert sich der Weg direkt am Bachlauf entlang und wir finden uns auf einem langen, geraden, leicht ansteigenden Weg durch Wald mit uralten Eichen wieder. Wieder unten im Lonetal führen wir die Tiere noch ein Stückchen bis zum Picknickplatz am Fohlenhaus.
Während der Pause ruhen Pferde und Mulis und wir haben genug Zeit, uns die Höhleneingänge genauer anzusehen. Der Fels sieht tatsächlich aus wie ein Pferd, besonders gut zu erkennen der Kopf. Zwei Wanderer kommen vorbei, eine kleine Gruppe Geocacher, zwei Radler und ein Radwanderer sowie zwei Moutainbiker, die steil aus dem Wald herunterschießen. Mehr ist nicht los. Auf dem Weiterweg im Lonetal legen wir demnach auch mal Trabstrecken ein und im Wald galoppieren wir ein Stück leicht bergauf. Am Ende des 5. Tages allerdings merkt man schon beim Angaloppieren, dass der Elan unserer Reittiere eher gemäßigt ist im Vergleich zu sonst. Dann wird der Weg immer steiler und wir verfallen wieder in Schritt. Schließlich erreichen wir Sinabronn, den kleinsten Teilort Lonsees, der oberhalb des Tals liegt. Interessant zu erleben, was passieren kann, wenn ein Muli mit einer Maßnahme nicht einverstanden ist, wie z.B. das Aufteilen der kleinen Herde in Zweier-Gruppen für die Übernachtung. Eine der Maultierdamen macht so lange Rabatz, bis die Gruppenaufteilung ihren Vorstellungen entspricht 😉

Tag 6: Sinabronn (Lonsee) – Machtolsheim
Geweckt werden wir vom lauten Grunzen der Schweine im Stall unter uns. Überhaupt scheint die Zeit in unserer Unterkunft in Sinabronn stehen geblieben zu sein – ein Hof in einem Albdorf wie damals, einst. Die Erinnerungen beginnen zu verschwimmen. Wo waren wir gestern? Oder wo haben wir vorgestern gepicknickt? Wann hatten wir welches Wetter? Die Masse an Eindrücken auf einem solchen Wanderritt muss erst einmal verdaut werden. Und heute steht die längste Tagestour bevor! Der erste etwas kürzere Teil der Strecke ist geprägt von landwirtschaftlichen Feldern, Weiden und etwas Wald. Ein endlos wirkender Wiesenweg lädt zu einem langen Trab ein. Dann wieder die Frage: Wo kommen wir unter der Autobahn A8 durch? Auf der Höhe von Tomerdingen sieht man schon die Großbaustelle. Wir haben Glück, die gewählte Unterführung ist offen und uns kommen kaum Fahrzeuge entgegen. Im völlig menschenleeren Kiesental machen wir unsere Picknickpause.
Noch ein paar Talkurven führen wir die Maultiere und Pferde hinab, vorbei am Zuckerhut, einem großen Felsen. Steil hinauf Richtung Weidach tragen uns die Tiere, bevor es endlich hinab geht ins Kleine Lautertal. Gut neun Kilometer folgen wir dessen sanft ansteigendem Verlauf von felsigen Wacholderheiden durch das winzige Lautern mit dem Lauter-Quelltopf und durch den Wald. Nach weiteren gut zwei Kilometern im Langen Tal erreichen wir den Hübschen Stein, einen alten, dreiseitigen Grenzstein mit den Wappen von Württemberg, Ulm und Helfenstein. Letztere hatten einen Elefanten im Wappen. Man geht davon aus, dass das Tier damals „Helfant“ genannt wurde, mit einer gewissen Ähnlichkeit zum Namen „Helfenstein“. Nach insgesamt gut 35 Kilometern erreichen wir schließlich Machtolsheim, wo unsere Vier wieder gemeinsam übernachten dürfen und wir im Reiterstüble nächtigen.

Tag 7: Machtolsheim – Sontheim
Regen, Regen, Regen – so könnte man den siebten Wanderreittag beschreiben.
Oder aber man sagt: Ein schöner Tag! Alle arbeiten ruhig vor sich hin. Beim Putzen, beim Misten, beim Regenhosen-Anziehen. Es ist klar, wir würden eher eine kürzere Route nehmen. So geht es zunächst wieder an Feldern vorbei, über die B28, aber dann säumt eine wunderschöne Wacholderheide unseren Weg. Wir steigen ab und führen die Tiere einen langen Weg hinab ins Tiefental, wo wir an einer Hütte picknicken. Die Maultiere und Pferde nehmen den Regen sowieso sehr gelassen, sind sie doch endlich die lästigen Fliegen los.
Nach der Pause geht es weiter das Tiefental hinauf, welches mir noch nie so lang vorgekommen ist, wie an diesem Tag. Nach vielen Talwindungen erreichen wir die Wacholderheide beim Teufelsloch, von wo aus man schon die Häuser Sontheims sehen kann. Ein längerer steiler Anstieg bis zum Ort und wir sind ungewöhnlich früh in der Unterkunft. Obwohl die Koppel vorgesehen war, dürfen unsere Reittiere bei dem Wetter doch netterweise in Boxen übernachten. Wir haben ausgiebig Zeit zu duschen, warme Getränke zu uns zu nehmen und die Woche ein wenig Revue passieren zu lassen, bevor wir dann morgen die Runde vollenden werden.

Tag 8: Sontheim – Mehrstetten
Da wir das Tiefental nun gestern schon „abgegrast“ haben, wird die Route nochmals angepasst. Stattdessen geht es oben an Justingen vorbei ins Bärental, wo wir während der Mittagspause zu Fuß in die Bärentalschlucht hinabgehen können. Definitiv einer der sehenswertesten Orte der Schwäbischen Alb.
Weiter geht es Richtung Gundershofen und hinab ins Schmiechtal. Da dort gerade die Straße gesperrt ist, können wir sie ein Stück in Ruhe entlang reiten. Dann kommt in der Haarnadelkurve bei Springen ein Konvoi mit Oldtimer-Porsches vorbei. Zum Glück bleiben die Maultiere und Pferde ganz cool. Von der Schmiechquelle aus nehmen wir die Alte Steige hoch auf die Albhochfläche. Mehrstetten kommt bald in Sichtweite, wir blicken hinab ins Böttental, in welches wir vor 8 Tagen hinuntergeritten sind. Ein frischer Wind bläst uns ins Gesicht, lässt ein paar feine Regentropfen auf die Haut fallen – aber wir erreichen den heimatlichen Stall trocken und sicher. Ein wunderbarer, ereignisreicher, schöner Ritt geht zuende.

Wanderreitstationen:
www.wanderreiten-alb.de
www.wanderreiten-franken.de
www.wanderreiten-in-deutschland.de
Wanderreitstationen rund um die Schwäbische Alb

Landschaften:
www.albuch.de
www.lonetal.net
Kleines Lautertal
www.tourismus.alb-donau-kreis.de
www.erlebnisregion-schwäbischer-albtrauf.de
www.heidenheim.de

TOUREN-TIPPS entlang der Route:

Landkreis Reutlingen:
Tour 21: Das Böttental bei Mehrstetten

Alb-Donau-Kreis:
Laichinger Tiefenhöhle: Ausflug in die Unterwelt
Rauher Fels im sanften Lonetal – ein Spaziergang zum Fohlenhaus
Von der Sontheimer Höhle durch das Tiefental und seine Seitentäler
Über die Wacholderheide, durch das Tiefental und zur Sontheimer Höhle
Tour 22: Das Kleine Lautertal bei Blaustein
Tour 30: Sontheimer Höhle, Küssende Sau und Blautopf

Landkreis Göppingen:
Autal und Rötelbach bei Überkingen

Heidenheimer Alb:
Einst Meeresgrund, jetzt trocken: Heldenfinger Kliff und Hungerbrunnental
Spaziergang durch das mystisch vernebelte Eselsburger Tal
Eselsburger Tal – mal ohne steinerne Jungfrauen
Urzeitfunden auf der Spur: Vogelherd, Hohlenstein, Bocksteinhöhle im Lonetal

Radtouren:
Albtäler-Radtour
Radtour: Laichinger Tiefenhöhle – Sontheimer Höhle – Tiefental – Blautopf

Tour 29: Mit dem Alb-Bähnle ins Schmiechtal

Zur Bärentalschlucht, zum Kloster Urspring und zur Ruine Hohenschelklingen nach einer Fahrt mit dem historischen Schienenbus

Das Schmiechtal gehört zu den Tälern der Schwäbischen Alb, die einst durch das Flusssystem der Urdonau entstanden sind. Rundherum bieten sich viele schöne Wandermöglichkeiten. Auf der in letzter Minute vor der geplanten Stilllegung geretteten Bahnstrecke fährt man von Schelklingen nach Hütten und wandert durch eine wildromantische Felsschlucht vorbei an kleinen Höhlen, Felslöchern und Ruinen über Schmiechen und Urspring zurück.

Die vollständige Wegbeschreibung mit praktischen Informationen und weiteren stimmungsvollen Bildern gibt es in meinem Wanderführer:

Wanderbuch Schwäbische Alb MitteElke Koch
Schwäbische Alb Mitte
Unterwegs mit der ganzen Familie
März 2014
212 Seiten, 16.95 €
Der Kleine Buch Verlag
ISBN: 9783765087103

Download GPX-Track (.gpx)
Download Kurztour Hütten (.gpx)
Download Kurztour Schelklingen (.gpx)
Gesamt-Download (.zip)


Wandervorschläge rund um Schelklingen und Hütten:
Von Schelklingen ins romantisch-verträumte Urspring und hinauf zu Ruinen
Schlossmauerreste, der doppelte Jägerstein und die Felsschlucht im Bärental
Tour 21: Das Böttental bei Mehrstetten
Tour 30: Sontheimer Höhle, Küssende Sau und Blautopf

Autotour:
Schluchten, Höhlen, Karstquellen zwischen Bad Urach und Blaubeuren

Schluchten, Höhlen, Karstquellen zwischen Bad Urach und Blaubeuren

Mal was anderes: eine Autotour auf Nebenstraßen und -sträßchen von Bad Urach nach Blaubeuren, vom Nordrand zum Südrand der Alb, von Schluchten und Höhlen zu Karstquellen und Bächen.

Sträßchen auf der Schwäbischen Alb

Nicht der direkte Weg zählt, sondern die vielen kleinen und großen Sehenswürdigkeiten links und rechts der B28 zwischen Urach und Blaubeuren.

Man kann in Höhlen abtauchen, auf Türme steigen, durch Schluchten wandern oder sich an Karstquellen erfrischen. Groß und Klein können die geologischen Phänomene der Alb besser kennenlernen oder einfach nur die Natur genießen.

In Bad Urach am Fuße des nördlichen Albtraufs gelegen, starteten wir diese Autotour zu einigen ausgewählten geologischen Phänomenen der Schwäbischen Alb.

Zunächst fährt man auf der B465 durch das Seeburger Tal in Richtung Münsingen. Bei Seeburg gäbe es einiges zu entdecken, zum Beispiel die Trailfinger Schlucht, das Denkmal und die Aussicht vom Burgberg oder gegenüber die Wacholderheide mit schwindelerregenden Felsen. Stattdessen aber sind wir von der B465 links abgebogen und ins Fischburger Tal gefahren. Die L245 schlängelt sich durch das felsgesäumte Tal, sehr beliebt auch bei Motorrad- und Sportwagenfahrern, Anhängertestern oder verirrten Radlern.

Beim ersten ausgeschilderten Wanderparkplatz rechts hielten wir an und überquerten die Landstraße. Direkt gegenüber geht es leicht bergauf in eine kleine Felsschlucht, die zur Kernzone Fischburger Tal, Hirschkopf, Scheibe gehört. Rechts am Hang des Hirnkopfes entspringen mehrere Quellen. Momentan führt der kleine Bach viel Wasser, sogar zwei Enten hatten es sich dort in den moosbewachsenen Pools gemütlich gemacht. Für diesen Abstecher sollte man mindestens 30 Minuten einplanen.

Wir folgten weiter der L245 hinauf. Der 8 km lange Hengener Dolinenweg ist ausgeschildert, den wir diesmal aber nicht besuchten, sondern kurz danach rechts auf die B28 abbogen. Bei Böhringen zweigten wir links auf die Landstraße Richtung Donnstetten ab. Kurz nach dem Linksabzweig der K6704 liegt an der L252 links der Wanderparkplatz zum Römersteinturm. Der 28 m hohe auf 872 m ü. NN gelegene Turm bietet einen großartigen Rundblick über die Alb und den Albtrauf (Eintritt 25/50 Cent, samstags und sonntags bei gutem Wetter geöffnet, wochentags gibt es den Schlüssel im Rathaus oder im Hirsch in Römerstein-Böhringen). Bei richtig klarer Sicht an wenigen Tagen im Jahr kann man sogar die Alpen sehen. Hin und zurück geht man ca. 1,5 km. Man sollte mindestens 45 Minuten einplanen, falls man nicht noch auf dem wunderschön gelegenen Grillplatz eine Pause einlegen möchte.

Weiter ging es auf der L252 durch Donnstetten und vorbei am Familienpark Westerheim mit Bobbahn, Zoo, Feriendorf etc. Ein Abstecher von Westerheim zur tropfsteinreichen Schertelshöhle (Eintritt 1,80/2,50 Euro oder hoehlencard.de) wäre denkbar gewesen. Wir allerdings nahmen die K7408, die durch Feldstetten und Heroldstatt-Ennabeuren über die Albhochfläche führt. Sollte die Sontheimer Höhle (Eintritt 2/3 Euro oder hoehlencard.de) geöffnet sein (Mai – Oktober: sonntags 10 – 17 Uhr, samstags 14 – 17 Uhr) kann man den Abstecher dorthin jetzt schon machen. Da es an diesem Pfingstsamstag noch nicht 14 Uhr war, fuhren wir weiter auf der L230 durch Breithülen und Magolsheim.


Kurz vor Böttingen kann man sich entscheiden, ob man einen Abstecher geradeaus zum Biosphärenzentrum in Münsingen-Auingen machen möchte oder lieber links auf der K6773 ins Schmiechtal fährt. Nach einigen Kurven sahen wir kurz vor dem Ort Springen eine Felswand. Nach der Rechtskurve hielten wir in der Linkskurve bei der Schmiechquelle an. Ein Weg führt über ein Brücklein zur Quelle, wo das Wasser zwischen dem Karstgestein hervorströmt. Weiter bachabwärts fließt die Schmiech im Urdonautal, wir näherten uns also schon dem Südrand der Schwäbischen Alb. Mehr als 15 Minuten muss man für den Zwischenstopp nicht einplanen.

Danach verläuft das Sträßchen weiter durch Gundershofen nach Hütten und dort zweigten wir links hinauf auf die K7330 in Richtung Justingen ab. Gleich in der ersten Rechtskurve beginnt der Weg in die Bärental-Schlucht (Kernzone Hüttener Eichhalde – Bärental). Der Wanderparkplatz dazu befindet sich 250 m weiter die Straße hinauf. Der Blick auf den imposanten Fels, wo einst das Justinger Schloss stand, ist von dort am besten zu genießen. Man geht also ein Stück die Straße zurück und wandert das Bärental hinauf. Über einen steinigen Pfad und immer wieder Treppenstufen kann man die Schönheit dieser Schlucht bestaunen. Am Ende der Schlucht gibt es einen Felsen, der aussieht, wie eine Sphinx. Auf gleichem Wege geht es zurück. Der Abstecher dauerte eine knappe Stunde.

Anschließend fuhren wir das kurvige Sträßchen weiter hinauf und durch Justingen (L240) und Ingstetten (L232) nach Heroldstatt-Sontheim. Die Sontheimer Höhle ist zunächst mit den üblichen braunen Wegweisern ausgeschildert. Es geht immer geradeaus auf der Langen Straße durch Sontheim. Dort, wo die Laichinger Straße links abzweigt, befindet sich nur ein kleines, leicht zu übersehendes Hinweisschild. Hier muss man ebenfalls geradeaus weiter. Nach dem Ortsrand macht die Straße eine Rechtskurve, dann eine Linkskurve und nach dem P2 biegt man rechts ab zum P1. Von dort geht man ca. 7 min bergab zur Höhle. Führungen finden von Mai bis Oktober (samstags 14 – 17 Uhr, sonntags 10 – 17 Uhr) stündlich zur vollen Stunde statt und dauern etwa 45 Minuten. Im Höhlenrasthaus kann man eventuelle Wartezeiten überbrücken. Der Kuchen ist empfehlenswert. Das unterhalb des Höhleneingangs verlaufende Tiefental führt bis nach Blaubeuren und Tests mit gefärbtem Wasser haben ergeben, dass Wasser aus der Sontheimer Höhle im Blautopf herauskommt. Daher passt dieser Abstecher, für den man je nach Timing mindestens 1,5 – 2 Stunden einplanen sollte, sehr gut in diesen Routenvorschlag.

Auf gleichem Weg fuhren wir durch Ingstetten und Justingen zurück und von dort weiter auf der L240 über Hausen ob Urspring hinab nach Schelklingen. Gleich am Ortseingang zweigt der Weg zum Kloster Urspring scharf rechts ab. Da man hier aber nicht abbiegen darf, muss man erst zur nächsten Seitenstraße fahren und dort wenden, um dann halblinks auf das Sträßchen nach Urspring zu gelangen. Das kleine Kloster liegt an einer wunderbar blau-grün leuchtenden Karstquelle. Es ist mindestens so schön dort wie am Blautopf nur ohne die Menschenmassen. Man sollte ungefähr 30 Minuten für einen Rundgang übrig haben.


Durch Schelklingen hindurch kommt man zur B492, auf die man links in Richtung Blaubeuren abbiegt. Wo heute zwischen Schelklingen und Blaubeuren die Ach fließt, verlief bis zur vorletzten Eiszeit die Urdonau. Kurz vor dem Ortsausgang befindet sich an der linken Straßenseite ein Hinweisschild auf den Hohle Fels, das man leicht übersehen kann. Man hat hier wohl mehr an Besucher aus Richtung Ulm als aus Reutlingen gedacht. Nur wenige Meter sind es zum Parkplatz, von dort geht man 150 m zu Fuß zur Höhle, in der eiszeitliche Kunstwerke wie etwa die Venus vom Hohle Fels gefunden wurden. Leider ist die Höhle nur sonntags 14 – 17 Uhr und nur bei schönem Wetter geöffnet. Zum Schutz überwinternder Tiere ist sie wie viele Höhlen von November bis April geschlossen.

Weiter auf der B492 und der B28 kamen wir zur letzten Station dieses Ausflugs nach Blaubeuren. Am Bahnhof zweigt man links ab, der Blautopf ist unübersehbar ausgeschildert. Den ganzen Tag über konnten wir die Ruhe auf der Schwäbischen Alb genießen, doch die Touristenmassen findet man insbesondere an schönen Sonntagen hier. Das Urgeschichtliche Museum hat nur bis 17 Uhr geöffnet.

Der Tourenvorschlag pickt einzelne geologische Besonderheiten der Schwäbischen Alb vom Nordrand über die Albhochfläche und die Taleinschnitte bis zum Südrand heraus und vermittelt hoffentlich einen Eindruck davon, wie alles zusammenhängt. Oder man genießt einfach die Fahrt durch eine wunderschöne, sehr abwechslungsreiche und vielfältige Landschaft.

Über die B28 kommt man rasch zurück nach Bad Urach. Wir allerdings fuhren noch in der Abendsonne über Schelklingen, Schmiechen, Grötzingen und Briel auf romantischen Sträßchen nach Dächingen und genossen ein vorzügliches Mahl in der Krone.

Zum Abschluss nahmen wir noch am „Fledermauslauschen“ teil, einer Veranstaltung im Biosphärenzentrum in Münsingen-Auingen. Die Exkursion ging durch das Alte Lager, zum Gänsewag und zu den alten Friedhöfen. Auch wenn wir nur ein paar Fledermäusen lauschen konnten, so war es doch eine sehr informative Dämmerungs- und Nachtexkursion.

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