Archiv der Kategorie: Mehrtagestouren

7 Tage: Von Mehrstetten zum Hohenzollern

Eine Woche lang habe ich den Albmuli-Wanderritt von Mehrstetten zum Hohenzollern begleitet und tagsüber einige Highlights der Schwäbischen Alb erkundet.

Mehrstetten – Fladhof

An Tag 1 geht es in Mehrstetten los. Die Wanderreiter wollen durch Schandental und Lautertal zum Fladhof bei Buttenhausen, also suche ich mir Ziele im Großen Lautertal. In Dapfen findetder Genussmarkt am Lagerhaus statt. Die Sonne scheint und die Leute strömen nur so von Stand zu Stand. Leider kann man nicht alles probieren! Dann parke ich in Bichishausen, wandere hinauf zur Klammenkreuzhütte bei den Steighöfen und warte auf die Mulireiter. Nach dem Picknick bricht ein Gewitter los, das aber schnell weiter zieht. Ich steige über den Bürzel hinunter nach Gundelfingen und hinauf zur Ruine Hohengundelfingen, einen der schönsten Aussichtspunkte im Großen Lautertal. Zurück von der Kurzversion der Lautertalruinen-Runde ist dank der paar Tropfen Regen der Massenansturm im Bootshaus Bichishausen beendet. Nach Bezug des Wanderreiterzimmers und gemütlicher Kaffeerunde ging es abends nach Hundersingen ins Rössle.

Fladhof – Willmandingen

Die Melkmaschine springt an und ich aus dem Schlafsack. Duschen und raus in die Morgenstimmung. Tolles Licht! Ich spaziere das Sträßchen entlang bis zu einer Stelle, von der aus man einen schönen Blick über das Große Lautertal hinweg hat – mystisch wirkt die Landschaft im Frühnebel. Das leckere Frühstück wartet, ebenso wie eine Fachsimpelei über den trockenen Sommer, die Ernte im Besonderen und die Landwirtschaft im Allgemeinen. Die Wanderreiterinnen ziehen los und ich fahre zunächst zum Gestüt Marbach. Es nieselt, aber aufgrund der Ferien sind schon ein paar Familien unterwegs zum Fohlen gucken und Pferde streicheln. Die Gestütler kommen zurück von ihren morgendlichen Ausritten und Ausfahrten oder lassen die Herden auf die Koppeln. Nachmittags fahre ich dann runter nach Bad Urach zur neuen Entdeckerwelt im Haus des Tourismus – einem tollen Angebot für wissbegierige Kinder und deren Begleitpersonen. Abends wartet die Wanderreitstation Reuschelhof in Willmandingen auf uns. Gerade als ich den Motor ausmache, treffen auch die Equiden mit ihren Reiterinnen ein. Alle werden sehr herzlich empfangen und wir genießen ein fröhliches, gemeinsames Abendessen im Landhotel Sonnenbühl.

Willmandingen – Hechingen-Boll

Nach einem leckeren Wanderreiter-Frühstück wird geputzt, gesattelt und gepackt. Während die Gruppe losreitet, fahre ich zum Kornbühl und erklimme den Hügel, auf dem die Salmendinger Kapelle steht. Herrlicher Sonnenschein und ein angenehmes Lüftchen machen den Tag angenehm. Nach einer Weile kommen die Mulis und das Pferd samt Reiterinnen aus dem Wald und ich beobachte sie auf dem Weg Richtung Killertal. Über dem Wald im Westen sieht man die Zinnen des Hohenzollern. Eigentlich wollte ich zum Dreifürstenstein wandern, doch den kenne ich schon. Daher suche ich mir einen Aussichtspunkt weiter südlich: den Köhlberg. Ein toller Blick erwartet mich dort: zu meinen Füßen das Killertal und vor mir der Zollerberg mit der mächtigen Burg. Der Ausguck ist gut besucht. Als ich sage, dass ich nach Boll fahre, erzählt man mir, dass die Boller Hasenwedel genannt werden. Weil einst ein Hase genau auf der Gemarkungsgrenze zwischen Hechingen-Stetten und Hechingen-Boll geschossen wurde und nur das Schwänzchen auf Boller Seite lag, der sog. Hasenwedel. Die kleine Hasen-Skulptur muss ich nun natürlich suchen, die an einem Feldweg zwischen den beiden Orten steht. Ich falle auf und komme wieder ins Gespräch mit einem Spaziergänger. Schließlich komme ich kurz nach den Reiterinnen in Boll an. Im Gasthof Hirsch haben wir einen sehr netten, fast familiären Abend mit leckeren Gerichten. Geschlafen wird diesmal zünftig auf Stroh mit freiem Blick zum Sternenzelt.

Hechingen-Boll – Hohenzollern – Hechingen-Jungingen

Früh wach, früh raus, der Zollerberg im Licht des Sonnenaufgangs. Reichliches, leckeres Frühstück gibt’s im Stall auf Bierbänken. Reittiere holen und los geht’s. Parke das Auto unter der Burg Hohenzollern und steige über viele Stufen hinauf zum Eingangstor und bin kurz vor den Wanderreiterinnen da. Es gibt einen „kleinen Willkommensgruß“ – nicht für die Menschen, sondern für die Equiden in Form von Möhren. Die Maultiere und das Pferd sind extrem cool bei all den Besonderheiten, die so eine Burg zu bieten hat: Brücken, Tunnel, gruslige Gitter auf dem Boden. Im Burghof sind sie schnell im Pausenmodus und stehen ganz ruhig, bis es weiter geht. Nach einer Weile geht die Tür auf und jemand kommt mit einem Tablett voller Schnapsgläser heraus – es ist noch nicht mal 11 Uhr durch! Während die Gruppe zum nächsten Zwischenstopp reitet, nehme ich die Treppe runter, fahre zum Raichberg und wandere den Kilometer zum Zeller Horn. Bald treffen auch die anderen ein. An einem der schönsten Aussichtspunkte der Schwäbischen Alb tummeln sich Spaziergänger, Wanderer, Radfahrer und Mountainbiker. Auch hier sind die erfahren Wanderreittiere sehr entspannt. Oben am Raichberg wird schließlich gepicknickt. Die Luft ist so klar, dass man schemenhaft die Alpensilhouette erkennen kann. Abends treffen wir uns in Jungingen. Die Tiere werden auf einer Wiese eingezäunt und wir gönnen uns eine Nacht im Hotel Post. Luxus pur mit schönen Zimmern, Sauna und sehr feinem Essen. So unterschiedlich können die Übernachtungen auf einem Wanderritt sein, denn als erstes brauchen die Tiere einen guten Platz, danach erst entscheidet sich, wo die Reiter unterkommen. Nach einer ausgiebigen Schlemmerei genießen wir die Nacht in bequemen Betten.

Hechingen-Jungingen – Willmandingen

Erholt wachen wir auf und lassen uns das vielfältige Frühstücksbüffet schmecken. Dann geht’s zur Koppel, Pferd und Mulis richten und los. Ich fahre heute über Mössingen und Talheim zurück nach Willmandingen. Dort komme ich in den Genuss einer Kutschfahrt mit dem Sonnenalb-Kutscher. Toll, wie routiniert die Haflinger alles mitmachen. Sie wissen ganz genau, wie sie stehen müssen, damit das komplizierte Geschirr angelegt werden kann. Auf der Hauptstraße gehen sie ebenso sicher und cool, wie auf Feld- oder Waldwegen. Besonders spannend finde ich, wie sie die scharfe Kurve meistern, indem sie gleichzeitig seitwärts gehen. Nach der Rückkehr trinken sie wie selbstverständlich aus dem Dorfbrunnen und dürfen dann auf die Weide. Gleich danach kommen die Wanderreiterinnen an – die Reittiere steuern ebenfalls direkt den Brunnen an – auch sie sind routinierte Outdoor-Profis. Lustig wie plötzlich ein Dorfbewohner nach dem anderen zum Reuschelhof kommt. Schließlich sitzen wir in großer Runde bei Kaffee und Kuchen zusammen. Abendessen und eine angenehme Nacht in den Schlafkojen.

Willmandingen – Kohlstetten

Das Wetter ist so angenehm am vorletzten Tag der Wander-/Reit-Woche, dass wir draußen im idyllischen Hof frühstücken können. Nach den üblichen Vorbereitungen brechen wir auf. Ich fahre direkt zum Schloss Lichtenstein, denn ich möchte zum ersten Mal seit meiner Kindheit mal wieder an einer Schlossführung teilnehmen. Da noch Schulferien sind, ist ein bisschen was los am Schloss, aber von Trubel ist man weit entfernt. Die Führung ist interessant, an die Räume kann ich mich dunkel erinnern, nicht aber an die Geschichte(n). Im Anschluss nehme ich mir viel Zeit für den Schlosshof, den man auch ohne Führung für zwei Euro besichtigen kann. Kaum sitze ich bei der Schossschenke und habe zwei Zeilen gelesen, da kommen schon die Wanderreiterinnen. Vor dem Schloss bietet sich ein schöner Rastplatz. Man fällt ein wenig auf, sonst picknicken wir eher einsam im Wald. Ein Besuch beim Hauff-Denkmal mit atemberaubendem Blick ins Echaztal und zu den Traifelbergfelsen ist ein Muss. Gar nicht weit weg, aber gleich viel einsamer ist die Ruine Alter Lichtenstein. Die Aussicht dort ist fast noch schöner. Nun trennen sich kurz unsere Wege. Ich bleibe noch auf dem Bänkle und lese ein wenig. Warten will ich, bis ich sie unten in Traifelberg vorbeireiten sehen kann. Brav trotten alle über die Ampel. Langsam kehre ich zurück zum Auto und fahre nach Kohlstetten. Übernachtet wird im schnuckligen Radwanderhäusle auf dem Hof Heinzmann – alles picobello und gemütlich dort. Gut gegessen und draußen „gehockt“ wird im Landgasthof Adler. Hinlegen, Augen zu und weg …

Kohlstetten – Mehrstetten

Der letzte Tag bricht an, die Sonne scheint. Wir decken den Tisch vor der Tür, das vielfältige Frühstück wird uns gebracht. Für nebenan in der Ferienwohnung werden ebenfalls spontan Brötchen (Weckle) frisch vom Bäcker gebracht. Im Chor kommt ein „Danke“ von den beiden Mädchen, die sie annehmen. Die Chefin kommt nach dem Melken vorbei und wir kommen ins Gespräch – über Landwirtschaft, Tourismus, dies und das. Dann geht’s zur Koppel, die Mulis erwarten schon ihre Begleiterinnen. Sie wissen, dass die Heimat nicht mehr weit ist, und freuen sich bestimmt schon auf die Restherde zuhause. Die Viererbande von der Koppel nebenan ist ganz neugierig. Schließlich reitet die Gruppe los und ich bringe das Auto nach Mehrstetten. Die Wanderreiterinnen genießen nochmals die sommerlichen Landschaften der Schwäbischen Alb und gelangen über das Gestüt Marbach mit Fußbad in der Großen Lauter zum heimatlichen Stall vom Albmuli.

Wald, Wacholder, Wasser – ein Wanderritt über die Schwäbische Alb im Frühling

Ein Wanderritt zu drei der urigsten, gastfreundlichsten und erfahrensten Wanderreitstationen der Schwäbischen Alb, mit lauter netten Mitreiterinnen, großartigen, wanderfreudigen Reittieren und sehr abwechslungsreicher Rittführung.

Tag 1: Wir starten mit Putzen, Satteln und Picknick packen. Mit fünf Maultieren und zwei Pferden ziehen wir los in Richtung Süden: durch Wacholderheidetäler und über die Albhochfläche, dann durch das Große Lautertal. Immer wieder verzaubert Sonnenschein die Frühlingslandschaft. Nach einer entspannten Mittagspause trotten wir weiter, vorbei an Ehestetten. Südlich des Ortes kommt mir die Gegend bekannt vor: Hier haben wir uns einmal den Verlauf der Klifflinie angeschaut. Besonders gut zu erkennen ist die Kuppenalb im Norden und die Flächenalb im Süden. Dort hinter dem Bussen kann man dank der guten Fernsicht sogar die Alpen erahnen. Nach der Querung des Oberstetter Tals und über eine weitere schöne Wacholderheide erreichen wir die Schäferei Fauser bei Pfronstetten. Die Tiere stürzen sich auf das frische Gras und wir bekommen Kaffee. Später sitzen wir mit weiteren Gästen an einer langen Tafel und genießen das gemeinsame Abendessen.

Tag 2: Die ganze Nacht hat es geregnet. Die Tiere sind tropfnass, freuen sich darauf, dass es weitergeht. Nach einem längeren Fußmarsch durch das Lehrtal, der unser aller Muskulatur einigermaßen aufwärmt, steigen wir auf. Die Maultiere legen im Tiefental ein ordentliches Tempo vor. Auch als es wieder Richtung Süden geht – also nicht nach Hause – sind sie immer noch flott unterwegs. Spannend ist das Glastal mit viel Wasser. Einst floss die Zwiefalter Aach auch durch das heute trockene Tiefental und obere Glastal – heute tritt sie erst bei der Wimsener Höhle zutage. Dort steigen wir aus dem Tal hinauf und picknicken im Regen. So langsam ist trotz guter Regenkleidung fast alles durchweicht. Doch auch der zweite Teil des Tages ist wunderschön. Nur der Regen ist zu hören und die Huftritte unserer Begleiter. Ein langer sanfter Abstieg ins Geisinger Tal, ein steiler Anstieg und wir erreichen Vöhringers Viecherei in Upflamör. Nachdem die Tiere auf der Weide sind, haben wir viel Spaß beim Aufhängen unserer nassen Klamotten im Dachgebälk und beim leckeren Abendessen.

Tag 3: Die Sonne kommt raus. Der Regen hat schon in der Nacht aufgehört. Als wir zur Koppel gehen, sehen wir einige Rabenvögel auf unseren mit Schlammpackungen eingesauten Reittieren. Zum Glück ist der Dreck schon trocken und lässt sich leicht rausbürsten. Durch das Dobeltal, vorbei an Zwiefalten reiten wir zu unserem Picknickplatz. Am Südrand der Alb mit Blick zum Bussen genießen wir die Pause. Weiter geht es bis zur Donau bei Rechtenstein, vorbei am Hochberg, durch Lauter- und Wolfstal bis nach Dächingen. Tiere versorgt, Kaffee im Reiterstüble der Wanderreitstation Holzmann – uns geht es ziemlich gut. Kurz darauf liegen einige der Tiere schon, sie sind wohl sehr müde nach zwei regnerischen Nächten auf der Koppel. Der Abend in der Krone ist sehr schön, das Essen hervorragend und die Nacht erholsam.

Tag 4: Da es wieder ein regnerischer Tag ist, beschließen wir, direkt zurück nach Mehrstetten zu reiten und dort zu picknicken. Es ist mehr Sprüh- und Nieselregen, der nur mit Wind etwas unangenehm wird. Im schönen, wacholderheidegesäumten Schandental wirkt die Luft wunderbar warm und die kleinen Tropfen im Gesicht fühlen sich gut an. Schließlich erreichen wir den Albhof und lassen den erholsamen Wanderritt gemeinsam ausklingen.

Ritt von der Alb nach Oberschwaben

Frühling! Zeit der großen Temperaturunterschiede. Sonne, Wolken, Nebel und Regengüsse. Saftiges Grün und blau-weißer Himmel. Gelbe Felder, voll von Raps, Hahnenfuß oder Löwenzahn. Und in den kühleren Höhenlagen immer noch blühende Obstbäume. Eine wunderbare Zeit, loszuziehen, am liebsten in Begleitung, die einen mit sich trägt, egal ob man oben drauf sitzt oder nebenher wandert.

29. April: Mehrstetten – Zwiefalten-Baach
Los geht’s bei Mehrstetten. Nachdem die Pferde und Maultiere geputzt, gesattelt und mit dem Picknick bepackt sind, laufen wir los und steigen schließlich auf. Von Wiesen- und Wacholderheidetälern traben wir leicht bergauf zur Albhochfläche zwischen gelbem Raps und saftig grünen Feldern. Nach weiterem Ab und Auf durch frühlingsgrüne Buchenwälder steigen wir schließlich ab und wandern an einer der vielen Burgruinen vorbei ins Große Lautertal. Da es morgens noch diesig war, haben wir den Picknickplatz komplett für uns alleine. Die Sonne kommt raus und wärmt sofort die Luft im Tal. Auf einem wenig genutzten Waldweg, der sanft am Hang entlang bergauf führt, gelangen wir – mit kleinem Hindernis an einem querliegenden Baum – auf die Hochfläche. Blick aus dem Fenster der Radlerherberge über die Koppel hinweg zum Zwiefalter Münster Blick aus dem Fenster der Radlerherberge über die Koppel hinweg zum Zwiefalter MünsterSchon sehen wir das morgige Etappenziel recht nah vor uns: den Bussen. Noch einmal über eine bewaldete Kuppe und wir müssen nur noch hinab Aachtal, wo uns in der Radlerherberge ein freundlicher Empfang und bequeme Betten erwarten. Vom Zimmer blickt man über die große Obstbaum-Koppel hinüber zum imposanten Zwiefalter Münster. Während die Tiere sich über so viel Auslauf freuen, genießen wir unser Abendessen im Felsen.

30. April: Zwiefalten-Baach – Bussen
Die am Vorabend noch sonnendurchfluteten Obstwiesen liegen morgens im Dunst. Nachts hat es geregnet und die Tiere haben sich ein ausgiebiges Schlammbad gegönnt. Nachdem sie wieder schick sind und der Gepäcktransport erledigt, starten wir zur zweiten Etappe. Der Vormittag wird zunehmend sonnig. Wir queren die Donau sowie die B 311, blicken hinüber zu den Zwiebeltürmen von Obermarchtal und sind schon mittendrin im schönen Oberschwaben mit seinen sanft hügeligen Landschaften.

Die 3 MuskeTiere - nass, müde und hungrig Die 3 MuskeTiere - nass, müde und hungrigLeichter Niesel durchdringt die Luft, doch beim Picknick ist es noch halbwegs trocken. Kaum gehen wir weiter, setzt ein starkes Gewitter ein. Wir beeilen uns, den Wald zu erreichen. Es ist ein seltsames Gefühl, bei Blitz und Donner im Wald zu sein. Definitiv auch ein Erlebnis der Kategorie: „den Naturgewalten ausgesetzt“. Kurz bevor es wieder aus dem Wald heraus ginge, beginnt es auch noch zu hageln.

Vor allem die Mulis bewegen sich – schlau wie sie sind – nicht mehr von der Stelle. Doch bald lässt das Gewitter und schließlich auch der Regen nach und wir suchen einen kürzeren Weg durch den Wald zu unserem Ziel. Auf matschigen, zerfurchten Waldwegen tragen uns die nassen Tiere sicher nach oben. Wir kommen aus dem Wald heraus und genießen einen schönen Blick vom Bussen nach Süden. Nachdem wir vom freundlichen Wirt alle gut versorgt und informiert wurden, gehen wir noch ein paar Schritte steil hinauf zur Bussenkirche, inzwischen fast komplett in Nebel gehüllt.

(Keine) Alpensicht vom Bussen (Keine) Alpensicht vom BussenDen Blick auf die Alpen können wir nur am Foto-Panorama nachvollziehen. Leckeres Abendessen und gemütliche Betten warten auf uns im Gasthof Schönblick nur knapp unterhalb des Bussengipfels. An Schlaf ist allerdings nur mit Ohropax zu denken – es ist die Nacht auf den 1. Mai. Alles an Mensch und vor allem Maschine wird aufgeboten, um den jeweiligen Liebsten „heimlich“ Maibäume aufzustellen.

1. Mai: Bussen – Bierstetten (Bad Saulgau)
Der Nebel verzieht sich morgens zusehends, wir wandern weiter Richtung Süden. Bald schon liegt der Bussen in einiger Entfernung. Wald und Felder sind von kleinen Gräben durchzogen, Gras bedeckt die Waldböden. Ganz anders als auf der trockenen Alb. Sogar einen der hier wieder ansässigen Störche bekommen wir zu sehen. Beste Verpflegung in Bierstetten Beste Verpflegung in BierstettenNach dem Picknick am Waldrand geht es weiter an kleinen Ortschaften vorbei, auch mal durch sie hindurch. Ein Abstecher führt uns zum Blinden See, einem Moorteich. Die Sonne steht schon recht tief als wir Bierstetten erreichen. Wir werden schon erwartet, sehr herzlich begrüßt und auf verschlungenen Wegen durch den Ort zum Stall geführt. Wieder können sich unsere fleißigen Reittiere über eine schöne Koppel mit Heuzugabe freuen.

Doppelter Regenbogen in der Abendsonne über Bierstetten Doppelter Regenbogen in der Abendsonne über BierstettenNur ein paar Schritte die Dorfstraße hinab ist es bis zu unserer Unterkunft in einer allerliebst hergerichteten Wohnung, der neuen Wanderreitstation Bierstetten. Während wir noch die schönen, niedrigen Räume bestaunen, geht draußen ein Platzregen nieder, gefolgt von einem wunderschönen doppelten Regenbogen.

2. Mai: Bierstetten (Bad Saulgau) – Langenenslingen
An diesem Morgen dauert es etwas länger, bis wir loskommen. Spontan muss ein Huf neu beschlagen werden, aber auch dies klappt und wir gehen die längste Etappe des Wanderritts an. Mit leichtem Auf und Ab geht es stetig Richtung Nordwest. Wir passieren viele leuchtende Rapsfelder, reiten durch Wälder, sehen Rehe am Waldrand und immer mal wieder den Bussen, der aus der Landschaft herausragt.

Die Heuneburg am Südrand der Alb Die Heuneburg am Südrand der AlbImmer deutlicher zeichnet sich im Norden auch die Alb ab. Der Südrand ist zwar nicht ganz so markant wie der Albtrauf im Norden, aber das Mittelgebirge ist eindeutig als Erhebung zu erkennen. Nach dem Picknick geht es eine Weile zu Fuß weiter, vorbei an den Schwarzachtalseen. Die Überquerung der B 311 schaffen wir über eine Brücke. Vor uns breitet sich das hier recht breite Donautal aus.

Oben am Hang sieht man ein weißes Gebäude: die Heuneburg. Stetig weiter geht es, immer wieder mit schönen Trab- und Galoppstrecken, aber hauptsächlich im Schritt.

Erstmal die Einheimischen begrüßen gehen (Sandhof, Langenenslingen) Erstmal die Einheimischen begrüßen gehen (Sandhof, Langenenslingen)Zur Entlastung bestimmter Muskelgruppen bei Mensch und Tier auch viel zu Fuß. Was allerdings aufgrund des hohen Grundtempos der Mulis eher als Stechschritt zu bezeichnen ist. Dunst ist wieder aufgezogen als wir recht spät den Sandhof bei Langenenslingen erreichen. Wir werden sehr herzlich empfangen und dürfen im schön ausgebauten Anbau der preisgekrönt restaurierten Mühle nächtigen.

3. Mai: Langenenslingen – Pfronstetten
Wieder umhüllt uns der morgendliche Nebel, als wir aufbrechen. Nur der gelbe Raps leuchtet, was das Zeug hält. Es geht wieder die Alb hinauf, durch Wälder, vorbei an Feldern, die Böden wieder karger und weniger feucht als in Oberschwaben. Nach dem Picknick führen endlos scheinende Täler sanft hinauf auf die Albhochfläche. Dort weht inzwischen ein kalter Wind aus Nord, dem wir entgegen reiten. Auch schön: die Koppel beim Schäfer Auch schön: die Koppel beim SchäferDer Wetterbericht hatte den Samstag als kältesten Tag vorhergesagt, wie auch die folgende Nacht. Zum Glück können wir uns zu Fuß durch den Ort wieder etwas aufwärmen und erreichen bald die Wanderreitstation der Schäferei Fauser. Nach dem leckeren Abendessen in wachsender Runde kuscheln wir uns in unsere Schlafsäcke. Vom Fenster aus blickt man über die Schäferkarren hinüber zur Koppel.

4. Mai: Pfronstetten – Mehrstetten
Streckenverlauf des Wanderritts Streckenverlauf des WanderrittsDer Sonntag macht seinem Namen alle Ehre und beginnt sonnig. Doch der Wind ist noch sehr kalt. Es dauert bis Mittag, bis es angenehm warm wird.

Die Landschaften werden immer bekannter, ein letzter Blick auf den Bussen, ein Linsenacker rechts, immer wieder Raps. Wir queren erneut das Große Lautertal, gehen nochmals bergauf und schließlich zurück zum Albhof.

Es waren sechs sehr schöne und intensive Tage mit wunderbaren Gastgebern, tollen Mitreiterinnen, zuverlässigen Reittieren und abwechslungsreicher, spannender Rittführung.