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Felsenmeer und Muliweg

Eselpfade und Muliwege sind manchen vielleicht nur aus dem Urlaub in fernen Ländern bekannt. Aber auch auf der Schwäbischen Alb gibt es sie, die schmalen, steilen Bergpfade, die man früher mit den Tieren gegangen ist. Der Mulipfad bei Albstadt-Lautlingen lässt sich wunderbar mit einem Teil des Traufgangs Felsenmeersteig zu einer recht anspruchsvollen Tour kombinieren. Bei der feucht-warmen Luft empfahlen sich heute die frühen Morgenstunden für eine Wanderung. Nachteil: Man sammelt jede Menge Spinnweben ein.

Von Albstadt-Lautlingen (Sportplatz) aus folgt man dem sehr gut ausgeschilderten Premiumwanderweg Felsenmeersteig geradewegs die Wiese hinauf Richtung Albtrauf und auf die weithin sichtbaren, hollywood-artig angebrachten Buchstaben des Ortsnamens.

Noch deutlich bevor man diese erreicht, zeigen die Schildchen nach links, an einem Bänkle vorbei und auf dem Asphaltsträßchen hinauf in den Wald. Rechts sieht man bei der zweiten Abzweigung ein Holzschild „Muliweg“ – hier kommt man später herunter. Jetzt aber geht es erst einmal eine Weile auf dem breiten Waldweg geradeaus und immer wieder etwas bergauf.

Nach einer Linkskurve bleibt man geradeaus und nach etwa 400 Metern zweigt der steile, schmale Serpentinenpfad zum Felsenmeer rechts ab. Wer nicht 100%-ig fit ist, kann auch die ausgeschilderte Umgehung nehmen. Der schwierige, bei Nässe rutschige Teil des Felsenmeersteigs ist zwar relativ kurz, aber auf keinen Fall zu unterschätzen. Man kann auch mal die Hände zuhilfe nehmen. Für die Erkundung der Ecken und Winkel des Felsenmeers sollte man sich etwas Zeit nehmen.

Anschließend trifft man auf einen breiteren Waldweg, dem man nach rechts oben folgt. Er ist als Abkürzung des Felsenmeersteigs Richtung Burgfelden ausgewiesen. Hat man die Albkante erreicht, geht es rechts zu einem schönen Aussichtspunkt. Von dort kehrt man zum geschotterten Waldweg zurück und geht ihn (den Premiumwanderweg kurz verlassend) nach links weiter. In einer Rechtskurve kann man links nochmals einen Abstecher zu einem schönen Aussichtspunkt machen.

Bald tritt man aus dem Wald heraus und sieht vor sich die alb-typische Wacholderheidelandschaft. Beim Sträßchen wendet man sich nach links und kurz danach kann man entweder gleich scharf rechts abzweigen (ab hier wieder Felsenmeersteig) oder erst noch geradeaus auf einem parallel zur Straße verlaufenden Wiesenweg die 500 Meter bis zum Spiel- und Grillplatz gehen.

Auf dem Wiesenweg vom Spielplatz zurück kommend überquert man das Sträßchen und folgt ab der Gabelung dem rechten Wiesenweg bergauf bis zum sagenhaft schönen Aussichtspunkt Heersberg. Kaum etwas kann schöner sein, als in der Morgensonne in der großen Waldschaukel zu sitzen und den Horizont auf- und abwippen zu sehen.

Weiter geradeaus führen die Schildchen vom Berg herab und beim Waldrand links/halblinks auf den Weg, der in den Wald hineinführt. Etwas bergauf, dann steil bergab, vorbei an einem weiteren Aussichtspunkt erreicht man schließlich einen großen Felsbrocken am Waldrand – einem Denkmal. Auf der einen Seite ist eine Tafel angebracht, die erklärt, wie der Muliweg zu seinem Namen kam.

Dort verlässt man den Felsenmeersteig und wandert zwischen beeindruckenden Felsen den Muliweg hinab. Ein schmaler Pfad, ein Bänkle am Abgrund, hohe Treppenstufen und einmal auch eine Kette zum Festhalten erleichtern den Abstieg. Der schwierige Teil ist wiederum recht kurz, aber absolut nichts für Unerfahrene. Wanderstiefel sind ein Muss.

“Der Muliweg wurde von der vierten Enziandivision der Gebirgsjäger, welche auf dem Heuberg stationiert war, für Kriegsübungen genutzt. Die Division wurde dann in den Kaukasus geschickt. Der Weg wird von Hinterbliebenen gepflegt. Es ist kein offizieller Wanderweg, kann aber auf eigene Gefahr bewandert werden.”
Quelle: Schwäbischer Albverein Ortsgruppe Lautlingen

Der Pfad wird allmählich weniger steil, bis er in einen Waldweg mündet, dem man nach links hinab folgt. Dann geht es nochmals rechts und kurz darauf wieder links, bis man auf den breiten Waldweg vom Beginn der Wanderung stößt. Dort spaziert man das Sträßchen hinab, beim Bänkle links und schließlich rechts auf dem Wiesenpfad hinab zum Sportplatz.

Länge: 8 km
Dauer: 3,5 h
An-/Abstiege: sehr steil, bei Nässe rutschig
Hinweis: nur mit guten Wanderstiefeln sowie etwas Kondition und Erfahrung

Download albtips-de-Felsenmeer-Muliweg.gpx (.zip)


Wandervorschläge in der Nähe:
Böllat, Ruine Schalksburg, Felsenmeer, Muliweg & Heersberg – ein Traufgang (gelb)
„Premiumwanderweg“ ausprobiert: Hossinger Leiter bei Albstadt-Laufen (orange)
Von Tieringen zum Hörnle und zum Lochen (braun)

Rundwanderung zu den Achtal-Höhlen

Dies ist keine Tour, die ich jedem zum Nachwandern empfehlen würde. Es handelt sich sozusagen um die Beta-Version einer Wanderung, einen Testlauf mit vielen Verbesserungsmöglichkeiten. Manche Pfade sind schwer zu finden, teils fast schon zugewachsen, einmal muss man mangels sinnvoller Alternativen an der Straße entlang wandern. Ziel war es, ein paar der Eiszeit-Höhlen im Achtal, die womöglich UNESCO-Weltkulturerbe werden, auf einem Rundweg miteinander zu verbinden.

Start der Wanderung ist am Park&Ride-Parkplatz beim Bahnhof Blaubeuren. Von dort geht man auf dem Gehsteig entlang der B28 über die Brücke und folgt danach dem Wanderzeichen Rote Gabel bergauf.

Fast oben angekommen zweigt man links ab zum Schillerstein, einem schönen Aussichtspunkt über dem Blautal. Zurück an der Kreuzung geht man geradeaus bergab und folgt diesem Schotterweg sehr lange duch den Wald. Nach etwa 1,5 Kilometern hält man sich an einer Gabelung links bergauf.

Nach weiteren 500 Metern hat man die Möglichkeit über eine etwa zwei Meter hohe Böschung zu einem Trampelpfad hinabzusteigen, wenn man den Einstieg findet. Da dies sehr schwer ist, empfiehlt es sich nochmals 500 Meter weiter zu gehen und dort scharf rechts auf den hier gut erkennbaren Pfad abzuzweigen. Dieser führt kurz nach einem schönen Felsaussichtspunkt zur ersten Höhle, dem Geißenklösterle.

Im Geißenklösterle, einem augenscheinlich unspektakulären Felsüberhang im Bruckfelsmassiv, wurden neben vielen anderen für die Archäologie bedeutsamen Funden die ältesten bisher bekannten Musikinstrumente entdeckt. Diese sollen etwa etwa 42.000 bis 43.000 Jahre alt sein.

Man folgt dem Pfad weiter ins Tal hinab, wendet sich nach links, spaziert am Wanderparkplatz vorbei und nimmt den Waldrandweg, der halblinks vom Radweg abzweigt. Nach etwa drei eher unspektakulären Kilometern im Achtal erreicht man den Hohlefels, eine Schauhöhle, die sonn- und feiertags 14 – 17 Uhr geöffnet ist (nur bei schönem Wetter).

Der Hohlefels ist einerseits eine sehr sehenswerte Karsthöhle mit einer riesigen Kuppel, andererseits Fundort vieler interessanter Belege aus verschiedenen Epochen, neben Bärenknochen, einer Flöte und Tierfigürchen auch die mediengerecht als „Venus vom Hohlefels“ bezeichnete Frauenfigurine.

Ein paar Meter weiter überquert man die Ach und den Parkplatz, kurz danach die Bahngleise und die B492. Leicht links versetzt geht man in die Seitenstraße hinein, hält sich rechts und wandert parallel zur Bundesstraße bis zum Waldrand, dort links. Nach 50 Metern zweigt ein schmaler Pfad rechts ab. Während die Abzweigung kaum erkennbar ist, so ist der stetig ansteigende Pfad quer zum Hang für erfahrene Wanderer eigentlich immer zu erkennen. Nach einem knappen Kilometer, an einer Stelle, wo der Weg fast zugewachsen erscheint, sieht man ein Gitter auf dem Waldboden. Darunter blickt man in die Sirgensteinspalte, die aus Sicherheitsgründen verschlossen ist.

Kurz danach trifft man im Wald auf die Sirgenstein-Doline, die ebenfalls abgesperrt, aber mit einer Info der Höhlen-AG versehen ist. Man folgt weiter dem hier eher schwer erkennbaren Trampelpfad, bis dieser endlich in einen breiteren Waldweg mündet.

Direkt vor der Waldwegekreuzung müsste rechts hinab ein weiterer Trampelpfad führen. Dieser ist allerdings überhaupt nicht mehr zu erkennen, so dass man lieber den weiteren Weg in Kauf nimmt. In einem weiten Rechtsbogen führt der breite Schotterweg durch den Wald hinab. In einer scharfen Linkskurve verlässt man ihn, geht kurz geradeaus bergauf und dort, wo die nicht existente Abkürzung herabgekommen wäre, links nochmals kurz bergauf. Dieser Weg mündet in einen schmalen, offensichtlich sehr wenig genutzten Pfad. Über, unter und an querliegenden Baumstämmen vorbei stolpert man eine Weile durch den Wald. Nachdem man zwischen Felsen hindurchgegangen ist, muss man nur noch ein paar steile Serpentinen hinab, bis man die Sirgensteinhöhle erreicht.

In die Sirgensteinhöhle kann man ein Stück hineingehen. Nach dem niedrigen Eingangsbereich weitet sie sich, durch zwei Löcher hoch oben in der Höhlendecke dringt Tageslicht ein. Es ist dennoch empfehlenswert, eine Taschenlampe dabei zu haben. Hier wurden ebenfalls steinzeitliche Werkzeuge gefunden und zwar sowohl aus der Zeit des Neandertalers als auch des anatomisch modernen Menschen, die nacheinander an dieser Stelle gelebt haben müssen.

Wer nicht ein ganzes Stück den holprigen Pfad zurückgehen und halb zugewachsene Pfade nehmen möchte, der hat nun kaum eine andere Wahl, als zur B492 hinabzugehen und links etwa 700 Meter direkt an der Bundesstraße zu wandern. Nach einem kurzen Stück auf einem Feldweg parallel zur Straße zweigt man links ins Tiefental ab.

Nach knapp 200 Metern biegt man scharf rechts ab und geht leicht bergauf. Hat man die Rückseite der Gebäude des Pharmaunternehmens Merkle passiert, zeigt ein Holzschild links hinauf auf den „Randweg Günzelburg“. Es gibt kürzere Alternativen, um zur Burgruine Günzelburg zu gelangen, wenn man zum Beispiel geradeaus weiter geht und sich dann links hält. Aber diese Tour folgt dem „Randweg“. Es geht nochmals fast 200 Höhenmeter in die „falsche“ Richtung hinauf, oben hält man sich rechts und wandert auf einem Berggrat – links das Tiefental, rechts Blaubeuren-Weiler.

Direkt bevor man aus dem Wald kommt, hält man sich rechts. Ein Weg, später ein schmaler Pfad schlängelt sich immer mehr oder weniger am rechts befindlichen Waldrand entlang, bis man nach gut 800 Metern die schön gelegene Ruine Günzelburg erreicht.

Von dort folgt man dem HW2 (Wanderzeichen Rotes Dreieck) noch etwas durch den Wald, dann quer zum Hang stetig bergab bis zum Felsenlabyrinth mit der Felsformation Küssende Sau. Nach dem folgenden hohen Felsen steigt man links die Stufen hinauf. Ein letzter kurzer Anstieg führt zur Brillenhöhle.

In der Höhlendecke der Brillenhöhle kann man zwei Löcher entdecken, die der Höhle den Namen gaben. Sie ist ebenfalls Fundort von Belegen unterschiedlicher Steinzeit-Epochen, wie etwa Tierknochen, Waffen oder auch Schmuck. Die Höhle ist mit einem Gitter gesichert, aber komplett einsehbar.

Vom Fels unterhalb der Höhle steigt man die wenigen Stufen hinauf, bis man einem schmalen Pfad nach rechts bergab folgt. Man erreicht die ersten Häuser von Blaubeuren, hält sich rechts bergab und spaziert an einer T-Kreuzung ein paar Schritte nach rechts, bis man über Treppen hinab zur B28 kommt. Links ist der Bahnhof schon zu sehen.

Länge: ca. 18 km
Dauer: ca. 6-7 h
Anstiege: drei Anstiege zw. jeweils 150 und 200 Hm, viel Auf und Ab

Download albtips-de-Achtal-Hoehlen.gpx (.zip)


Wandervorschläge in der Nähe:
Nägelesfels, Höllental und Schmähental (gelb)
Blautopf, Blaufels und Rusenschloss (orange)
Von Schelklingen ins romantisch-verträumte Urspring und hinauf zu Ruinen (braun)
Tour 29: Mit dem Ulmer Spatz ins Schmiechtal
Tour 30: Sontheimer Höhle, Küssende Sau und Blautopf

Auf dem Hohenwittlingensteig

Der kürzeste ist zugleich auch der sportlichste unter den neuen Grafensteigen in Bad Urach: der Hohenwittlingensteig. Hier hat alles weniger als knöchelhohe Wanderstiefel nichts zu suchen. Zwei steile Anstiege sowie querliegende Baumstämme sind zu überwinden. Belohnt wird die Anstrengung mit einer Tour zu beeindruckenden Felswänden, zu einer Burgruine mit toller Aussicht und zu einer wilden Höhle, für die man eine gute Taschenlampe benötigt.

Die Tour startet am Wanderparkplatz Hohenwittlingen, den man von Bad Urach-Wittlingen der Beschilderung Richtung Hohenwittlingen folgend erreicht.

Durch Streuobstwiesen und durch den Wald geht es los, dann folgt ein längerer Abstieg auf breiten Wald- und Schotterwegen. Bei einem markanten Felsen links oberhalb des Wegs zweigt ein Pfad rechts ab und man steigt steil zum Gespaltenen Fels hinauf.

Weitere beeindruckende Felsformationen säumen den Weg am Rand einer Kernzone und schließlich erreicht man die Albkante, an der man nach links entlanggeht bis zur Ruine Hohenwittlingen. Von dort genießt man einen wunderbaren Blick über das Ermstal, hier auch Seeburger Tal genannt.

Kernzone Biosphärengebiet Schwäbische AlbIn den Kernzonen soll die Natur den Vorrang vor dem Menschen haben, es sollen keine Eingriffe durch den Menschen stattfinden. Daher darf man die Wege nicht verlassen und (wie sonst auch in der Natur) nichts mitnehmen, nichts da lassen, nichts kaputt machen. Ein UNESCO Biosphärenreservat ist übrigens nicht einfach eine weitere Form eines Naturschutzgebietes. Es ist eine Modellregion, in der in verschiedenen Zonen erprobt werden soll, wie Mensch und Natur voneinander profitieren können, ohne sich gegenseitig zu schaden. Daher hat in den (weitaus größeren) Entwicklungszonen weiterhin der Mensch den Vorrang, die Kernzonen machen nur 3% der Gesamtfläche aus, die Pflegezonen 10%.

Von der Ruine aus muss man erneut über urige Treppen hinab zur Schillerhöhle, die man leicht übersieht. Die wilde Höhle ist zum Schutz überwinternder Tiere nur von April bis Oktober geöffnet. Taschenlampe nicht vergessen!

Auf dem schmalen, gewundenen Pfad steigt man unter hohen Felsen weiter bergab, bis man rechts über eine kleine Brücke in die Wolfsschlucht abzweigt. In die querliegenden Baumstämme wurden Kerben für Hände und Füße hineingeschlagen, dennoch muss man einen sehr großen Schritt machen können, um sie zu überwinden. Nach der Schlucht geht es auf breiten Wanderwegen zurück zum Wanderparkplatz.

Die Beschilderung ist durchweg gut, so dass man ohne große Vorbereitung einfach loswandern kann. Die Wege wurden nach langer Trockenheit von ein wenig Regen heute noch nicht rutschig oder matschig, sondern waren größtenteils angenehm zu gehen.

Alle Infos und Downloads zum Hohenwittlingensteig gibt es auf badurach-grafensteige.de.

Wandervorschläge in der Nähe:
Tour 7: Wolfsschlucht, Hohenwittlingen und Seeburger Tal
Urgeschichtepfad Rulamanweg und ein Wasserfall am Ende der Wolfsschlucht
Goldener Oktober rund um Schillerhöhle, Hohenwittlingen und Ruine Baldeck