50 Dinge, die ein Baden-Württemberger …

Granadasauerei! Jetzt bin ich – ginge es nach Karin Kontnys 50 Dinge, die ein richtiger Baden-Württemberger getan haben muss – bloß zu 10% ein richtiger Baden-Württemberger? Ich kann nämlich nur hinter fünf der Must-Dos ein Häkchen machen: im Stau auf der A8 stehen, im Hegau einen erloschenen Vulkan besteigen, verschiedene Zungenbrecher im Dialekt nachsprechen, Mutscheln in Reutlingen und weinselig durch Tübingens Studentenkneipen … äh … lassen wir das.

Ich bin zwar als Kind mal auf den Ulmer Münsterturm gestiegen, aber die letzten Stufen ganz hinauf hab ich nicht geschafft. Auf dem Southside Festival war ich nie, bin aber mal mit dem Muli an Neuhausen ob Eck vorbeigeritten – zählt das nicht auch? In Heidelberg hab ich sogar mal kurz gewohnt, dort aber nie auf einem Ausflugsschiff geträllert. Gerne wäre ich schweigend um den „Rummelsee“ spaziert, doch was hätte es gebracht?

Was sollen wir also mit einem Buch über 50 Aktivitäten, die wir entweder nie alle umsetzen werden oder nie werden umsetzen wollen. Zunächst einmal: lesen. Dann: überlegen. Ob wir so sind! Ob wir so sein möchten! Ob wir es nicht doch einmal probieren! Zum Beispiel im Stau auf der A 8 rumstehen, wahlweise auf irgendeiner anderen Straße im Ländle. Wollen wir das wirklich? Oder wollen wir vielleicht lieber Aktivität Nr. 14 angehen und etwas Besseres erfinden? Der Gottlieb Daimler 2.0 werden, sowas in der Art.

Dann: uns amüsieren. Kontny beschreibt die Eigenheiten der „richtigen“ Baden-Württemberger und die angeblich so typischen Tätigkeiten mit Witz und Ironie. Wir erfahren dabei so manche Geschichte hinter den allseits bekannten Fakten. Und lernen ganz nebenbei etwas über unsere Heimat. So können wir demnächst unseren Gästen beim obligatorischen Tübingen-Rundgang (gähn!) ganz besondere Anekdoten erzählen. Und wir bekommen selbst Lust, auf Entdeckungsreise zu gehen. Ob wir am Ende gar unsere eigene Liste aufstellen? Wenn es stimmt, dass die Vorschläge auf einer nicht repräsentativen Umfrage durch die Autorin beruhen, zeigt das Buch auch den Humor der „richtigen“ Baden-Württemberger. Denn das eine oder andere kann nur begrenzt so „richtig“ ernst gemeint sein.

Das Kapitel „Anständig fluchen“ sucht man übrigens vergeblich in Kontnys To-Do-Liste. Vielleicht, weil es nur im Schwäbischen eine anerkannte Umgangsform ist und anderswo im Ländle zu heftigen Mißverständnissen führen würde. Und dia braucha mir wia a Gosch voll Reisnägl, gell?!

Richtiger Baden-Württemberger wird man offenbar nicht von alleine. Der Schlüssel hierzu liegt nämlich im Tun ganz bestimmter Dinge. Karin Kontny hat sie in diesem Band in einer einzigartigen To-do-Liste versammelt: 50 Kapitel fordern zum Mitmachen auf und bringen Ihnen bei, was man hier kennen, können und gemacht haben sollte. Mit Klugheit und Selbstironie stellt die Autorin die Abenteuer vor, die vor der Haustür auf Sie warten, und lädt dazu ein, einen »Erfahrungsschatz« zu heben. Ob bei der schwäbischen Kehrwoche, beim Kriechen durch eine Höhle der Schwäbischen Alb, bei der Weinlese im Kraichgau oder beim Schlammbaden auf dem Southside-Festival. Beweisfelder, die es selbst zu gestalten gilt, machen das Buch zu einem Unikat: So dürfen Sie nach einem Besuch der Tabakhauptstadt Mannheim gerne ein Loch in die Seite brennen – selbstverständlich mit einer Zigarre!

Ein etwas anderer Reise- und Kulturführer, der Orte, Dinge und Traditionen vorstellt und zeigt, wie sie sich im wahrsten Sinn erfahrbar machen lassen. Für Ur- und Neueinwohner und Besucher gleichermaßen eine echte Fundgrube.

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